Arbeitstechniken für IT-Azubis: Effizient statt nur beschäftigt

Viel arbeiten und produktiv arbeiten sind zwei verschiedene Dinge. Wer ständig beschäftigt ist, aber kaum Aufgaben abschließt, hat meist kein Fleißproblem – sondern ein Methodenproblem.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du deine Arbeit strukturierst, Prioritäten setzt, Notizen sinnvoll erstellst und erfolgreich im Team arbeitest. Keine Motivationstheorie – sondern Methoden, die sich im Berufsalltag bewährt haben.
Zeitmanagement: Struktur statt Chaos
Die ALPEN-Methode
Die ALPEN-Methode unterstützt dich bei der täglichen Arbeitsplanung. Idealerweise planst du den nächsten Arbeitstag bereits am Abend und nicht erst morgens zwischen den ersten E-Mails oder Meetings.
A – Aufgaben notieren
Notiere alle anstehenden Aufgaben vollständig. Alles, was im Kopf bleibt, kostet Aufmerksamkeit. Ob Papier, Notizbuch oder digitales Tool spielt dabei keine Rolle.
L – Länge schätzen
Schätze den tatsächlichen Zeitbedarf möglichst realistisch ein. Viele Menschen unterschätzen ihre Aufgaben um etwa 30 bis 50 Prozent.
P – Puffer einplanen
Plane höchstens 60 % deiner verfügbaren Arbeitszeit fest ein. Die restlichen 40 % dienen als Reserve für ungeplante Aufgaben, Rückfragen oder technische Probleme.
E – Entscheidungen treffen
Nicht jede Aufgabe besitzt die gleiche Priorität. Entscheide bewusst, welche Aufgaben heute erledigt werden müssen, welche verschoben werden können und welche delegiert werden dürfen.
N – Nachkontrolle
Prüfe am Ende des Tages, welche Aufgaben abgeschlossen wurden und welche offen geblieben sind. Analysiere die Ursachen und übertrage unerledigte Aufgaben in die Planung des nächsten Tages.
Tipp: Die Stärke der ALPEN-Methode liegt nicht in den einzelnen Schritten, sondern in ihrer konsequenten täglichen Anwendung.
Eisenhower-Matrix
Die Eisenhower-Matrix hilft dabei, Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit zu priorisieren.
DRINGEND NICHT DRINGEND
WICHTIG Sofort erledigen Termin planen
NICHT WICHTIG Delegieren Streichen
Quadrant I – Wichtig und dringend
Hier befinden sich Krisen, Störungen und Aufgaben mit kurzfristigen Deadlines. Wer dauerhaft überwiegend in diesem Bereich arbeitet, reagiert ständig statt aktiv zu planen.
Quadrant II – Wichtig, aber nicht dringend
Weiterbildung, Planung, Dokumentation und Prävention gehören in diesen Bereich. Gerade hier entstehen langfristige Verbesserungen.
Quadrant III – Dringend, aber nicht wichtig
Viele dieser Aufgaben stammen von anderen Personen. Wenn möglich, sollten sie delegiert oder gemeinsam gelöst werden.
Quadrant IV – Weder wichtig noch dringend
Diese Aufgaben kosten Zeit, ohne einen echten Mehrwert zu schaffen. Dazu gehören unnötige Unterbrechungen oder dauerhaftes Scrollen durch soziale Medien während der Arbeitszeit.
Merke: Wer regelmäßig Zeit in Quadrant II investiert, verhindert viele spätere Probleme aus Quadrant I.
Notiztechniken: Was bleibt, wenn der Stift weg ist
Gute Notizen dienen nicht nur dem Mitschreiben. Sie helfen dabei, Informationen auch Wochen später schnell wiederzufinden und zu verstehen.
Cornell-Methode
Die Cornell-Methode teilt eine Seite in drei Bereiche auf und sorgt dadurch für strukturierte Notizen.
┌─────────────────────────────────────────────┐
│ STICHWORTE │ MITSCHRIFT │
│ │ │
│ │ │
├─────────────┴───────────────────────────────┤
│ ZUSAMMENFASSUNG │
└─────────────────────────────────────────────┘
Während des Unterrichts oder Meetings entstehen die eigentlichen Notizen auf der rechten Seite. Links werden anschließend Fragen oder Schlüsselbegriffe ergänzt. Im unteren Bereich folgt eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse.
Mindmap
Eine Mindmap stellt Informationen grafisch dar. Das zentrale Thema befindet sich in der Mitte, davon verzweigen Haupt- und Unterthemen. Zusammenhänge werden dadurch schneller erkannt als in einer klassischen Liste.
Wann Mindmaps sinnvoll sind
- Brainstorming und Ideensammlung
- Prüfungsvorbereitung und Wiederholung
- Projektplanung
- Gliederung von Berichten oder Dokumentationen
Wann sie weniger geeignet sind
- Wenn eine feste Reihenfolge eingehalten werden muss.
- Wenn sehr viele Detailinformationen dokumentiert werden sollen.
- Bei umfangreichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen.
Digitale Werkzeuge wie draw.io, Miro oder XMind erleichtern das Erstellen umfangreicher Mindmaps. Für spontane Ideen reicht oft Papier im DIN-A3- Format und ein Stift.
Teamarbeit: Mehr als nett miteinander sein
In IT-Projekten entstehen erfolgreiche Ergebnisse fast immer durch gute Zusammenarbeit. Fachliches Wissen allein reicht nicht aus – Kommunikation und gegenseitige Abstimmung sind ebenso entscheidend.
Kommunikation
Die häufigste Ursache für Probleme im Team ist nicht mangelnde Fachkompetenz, sondern unklare oder fehlende Kommunikation.
Aktiv zuhören
Aktives Zuhören bedeutet, Aussagen des Gesprächspartners bewusst aufzunehmen und mit eigenen Worten zusammenzufassen.
„Wenn ich dich richtig verstanden habe, meinst du …“
Diese einfache Rückfrage verhindert Missverständnisse bereits zu Beginn eines Gesprächs.
Wichtige Informationen schriftlich festhalten
Entscheidungen sollten möglichst im Ticketsystem, per E-Mail oder in einer Projektdokumentation festgehalten werden. Schriftliche Absprachen sind nachvollziehbar und vermeiden unterschiedliche Erinnerungen an ein Gespräch.
Fragen stellen
Gerade während der Ausbildung gilt: Lieber einmal mehr nachfragen als eine Aufgabe mehrfach falsch ausführen.
Tipp: Gute Fragen sparen häufig mehr Zeit als schnelle, aber falsche Antworten.
Feedback geben und annehmen
Konstruktives Feedback konzentriert sich auf beobachtbares Verhalten und nicht auf die Person.
Feedback geben
Eine bewährte Struktur besteht aus drei Schritten:
- Beobachtung beschreiben.
- Auswirkung erläutern.
- Konkreten Wunsch formulieren.
Ich habe bemerkt, dass das Ticket keine
Fehlerbeschreibung enthielt.
Dadurch musste ich zunächst recherchieren,
wodurch sich die Bearbeitungszeit verlängerte.
Ich wünsche mir künftig eine kurze
Fehlerbeschreibung im Ticket.
Feedback annehmen
Nimm Feedback zunächst an, ohne dich sofort zu rechtfertigen. Höre zu, stelle Verständnisfragen und überlege anschließend, welche Hinweise dir helfen können.
Feedback ist eine Möglichkeit zur Verbesserung und kein persönlicher Angriff.
Konfliktlösung
Konflikte gehören zu jeder Zusammenarbeit. Entscheidend ist, wie offen und sachlich damit umgegangen wird.
Vorgehensweise
- Den Konflikt frühzeitig ansprechen.
- Sachlich bleiben und konkrete Beispiele nennen.
- Gemeinsam nach Lösungen suchen.
- Vereinbarungen dokumentieren.
Konflikte verschwinden selten von allein. Offene Kommunikation verhindert, dass kleine Probleme zu größeren Schwierigkeiten werden.
Projektarbeit: Strukturiert zum Ergebnis
Projekte gehören zum Ausbildungsalltag in nahezu jedem IT-Beruf. Spätestens in der AP2 spielt das Abschlussprojekt eine zentrale Rolle. Wer seine Aufgaben strukturiert plant und geeignete Methoden nutzt, arbeitet effizienter und behält auch bei komplexen Projekten den Überblick.
Kanban
Kanban ist eine leicht verständliche Methode zur Visualisierung von Aufgaben. Jede Aufgabe durchläuft dabei verschiedene Bearbeitungsphasen, die auf einem Kanban-Board dargestellt werden.
TODO | IN PROGRESS | DONE
-------------------------------------------------
Server planen | Netzwerk testen | Dokumentation
Software wählen | | Benutzer anlegen
Firewall prüfen | |
Aufgaben wandern Schritt für Schritt von links nach rechts. Dadurch ist jederzeit sichtbar, welche Arbeiten noch offen sind, welche aktuell bearbeitet werden und welche bereits abgeschlossen wurden.
Work-in-Progress-Limit
Ein zentrales Prinzip von Kanban ist die Begrenzung gleichzeitig bearbeiteter Aufgaben. Wer zu viele Tätigkeiten parallel erledigt, verliert Zeit durch ständige Kontextwechsel.
- Maximal zwei bis drei parallele Aufgaben bearbeiten.
- Eine Aufgabe abschließen, bevor die nächste begonnen wird.
- Regelmäßig den Fortschritt überprüfen.
Kanban eignet sich sowohl für Teams als auch für Einzelpersonen. Beliebte Werkzeuge sind Trello, Notion, Jira oder klassische Whiteboards mit Haftnotizen.
Scrum
Scrum ist ein agiles Framework für Projekte mit sich ändernden Anforderungen. Die Arbeit erfolgt in kurzen Entwicklungsabschnitten, sogenannten Sprints.
Die wichtigsten Bestandteile
- Sprint: Fester Zeitraum von meist ein bis vier Wochen.
- Product Backlog: Priorisierte Liste aller Anforderungen.
- Sprint Backlog: Aufgaben für den aktuellen Sprint.
- Daily Stand-up: Kurzes tägliches Abstimmungsmeeting.
- Sprint Review: Vorstellung der Ergebnisse.
- Retrospektive: Verbesserung der Zusammenarbeit.
Die Scrum-Rollen
Product Owner
Verantwortlich für die Priorisierung der Anforderungen und die Pflege des Product Backlogs.
Scrum Master
Unterstützt das Team, beseitigt Hindernisse und achtet darauf, dass der Scrum-Prozess korrekt eingehalten wird.
Development Team
Entwickelt die vereinbarten Funktionen und entscheidet selbstständig, wie die Umsetzung erfolgt.
Merke: Scrum legt fest, was erreicht werden soll. Das Entwicklungsteam entscheidet, wie das Ziel umgesetzt wird.
Wann Scrum sinnvoll ist
- Große Projekte mit vielen Beteiligten.
- Sich häufig ändernde Anforderungen.
- Regelmäßiges Kundenfeedback während der Entwicklung.
Für kleine Projekte mit klar definierten Anforderungen ist Scrum häufig nicht notwendig. Hier genügt oft Kanban oder eine klassische Projektplanung.
Dokumentation
Dokumentation gehört zu den wichtigsten Aufgaben im IT-Alltag. Fehlende Dokumentationen führen zu Wissensverlust, verlängern Fehlersuchen und erschweren die Zusammenarbeit im Team.
Warum Dokumentation wichtig ist
Was nicht dokumentiert wurde, kann später oft nicht mehr nachvollzogen werden. Gerade bei Servern, Netzwerken oder Softwareprojekten ist eine vollständige Dokumentation unverzichtbar.
Was dokumentiert werden sollte
- Welche Arbeiten durchgeführt wurden.
- Warum eine bestimmte Lösung gewählt wurde.
- Wie die Umsetzung erfolgt ist.
- Welche Besonderheiten oder Probleme aufgetreten sind.
Geeignete Werkzeuge
- Confluence
- Notion
- DokuWiki
- README-Dateien
- Jira
- Redmine
Goldene Regel: Dokumentiere während der Arbeit und nicht erst danach. Direkt nach der Umsetzung sind alle Informationen vollständig vorhanden und müssen nicht aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden.
Fazit: Methoden sind Werkzeuge
Methoden wie ALPEN, Eisenhower, Cornell, Kanban oder Scrum sind keine Selbstzwecke. Sie helfen dabei, Aufgaben zu strukturieren, Prioritäten richtig zu setzen und den Arbeitsalltag effizienter zu gestalten.
Keine Methode ist für jede Situation gleichermaßen geeignet. Entscheidend ist, dass du eine Technik auswählst, sie konsequent anwendest und ihre Wirkung über einen längeren Zeitraum beobachtest.
Probiere neue Arbeitstechniken nicht nur wenige Tage aus. Gib jeder Methode mindestens vier Wochen Zeit, bevor du beurteilst, ob sie zu deiner Arbeitsweise passt oder angepasst werden sollte.
Der Unterschied zwischen erfolgreichen und dauerhaft gestressten Auszubildenden liegt selten im Talent. Meist entscheidet eine gute Organisation, klare Prioritäten und konsequentes Arbeiten über den Erfolg im Berufsalltag und in der AP2-Prüfung.
Merke: Produktivität bedeutet nicht, möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Produktivität bedeutet, die richtigen Aufgaben in der richtigen Reihenfolge erfolgreich abzuschließen.